Fallbeispiel: Fortschritts-Verhinderer

Fallbeispiel: Fortschritts-Verhinderer

Es könnte ja alles so schön schön und einfach sein.

Neulich auf dem Kinderspielplatz, es schallt noch etwas blechern, doch noch das ältere Modell:

„Thorben-Dennis und Mohammed-Ali, heute fertig gespielt, mitkommen zu Mutti“.
Der Behütungsautomat blinkt dreimal auch gut sichtbar in der gleissenden Sonne, alle Kinder gucken unerschrocken in dessen Richtung.

Der Automat hebt sich drei mal auf seinen grossen Rädern einen halben Meter hoch, auf der grossen Screen Richtung Spielplatz werden die Bilder der Gerufenen angezeigt, so dass kein Zweifel besteht wer gemeint ist.

Thorben-Dennis mit der hellblauen Plüschmütze mit den roten Hasenohren und Mohammed-Ali mit dem rosa Baseballcap mit der kleinen aufgereckten Gummi-Boxerfaust oben drauf, auch an der Seite herabhängende rosa Plüsch-Hasenohren, erheben sich und watscheln etwas unlustig Richtung Automat, der seitlich eine kleine oben blinkende Heimbringdrohne ausstößt. Genau die Drohne,  die jetzt die beiden Kleinen zu ihren Muttis bringt. Thorben-Dennis mit der hellblauen Plüschmütze und Mohammed-Ali mit dem rosa Baseballcap nehmen sich am Händchen und folgen pfeifend der Drohne, die lustig vorne eine Zeigehand angebracht hat, die immer Richtung Weg-Richtung stossend zeigt. Die Drohne zeigt die letzten „Meine-Kraftbuddel-Vids“ der Kitagruppe, die kleinen schauen interessiert zu. Die Muttis dieweil sind angeregt beschäftigt, die eine hat gerade Fichte zur Seite gelegt und schaut mit der neuesten, noch zu begutachtenden  Modegazette in der Hand nach, ob der Küchenautomat auch nach der Reparatur korrekt funktioniert, die andere ist noch am Fussnägel lackieren.

 

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Ende im Gelände.
Dieser Zukunftsausschnitt oder ein noch Besserer könnte sicherlich schon heute sein, ist aber nicht. Und wird wohl so schnell auch nicht werden, auch nicht in 50 Jahre.
Wegen weil:

Die Welt ist mit Besserem beschäftigt, nämlich: Fortschritt verhindern.

 

Denn, die ungefähre Realität:

 

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Berliner GKV-Mutti Marion muss ihren Sohn zum Arzt bringen, der an Dauerhusten leidet. Sie hat keinen Termin bekommen, nach drei Wochen die Nase voll und hat sich jetzt nach dem Telefonat mit einer äußerst schnippischen Sprechstundenhilfe spontan ins Auto gesetzt, um einfach zu ihrem Facharzt zu fahren. Nase voll halt.

Sie fährt etwas zu schnell, stößt mit einer schwarzen Stretch-Limousine zusammen. Es stellt sich heraus, dass der gegnerische Fahrer auch etwas zu schnell unterwegs war, aber der Chauffeur hat offensichtlich schon einige Übung darin, Unfallgegner zu bequatschen und erzählt aufgebracht und eindringlich, wie dringend sein Chef zur Sitzung der „Gesundheitskommission zur Untersuchung von Vorhaben über die Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen“ müsse, der Termin wäre extrem dringend und schlussendlich ginge es ja um Menschenleben…

Drei Monate, siebenundzwanzig Anwaltstermine und eine Beerdigung später wird die Sache mit einer Schmerzendgeldzahlung an Marion in Höhe von ca. 100 gefüllten 10er-Eierkartons beigelegt.
Die ursprüngliche Kommission ist aufgelöst, der Kommissionsteilnehmer wird Vorsitzender der neu eingesetzten Ersatzkommission auch wegen seines unermüdlichen Einsatzes, seine Kommissionssitzungsgeldentschädigung hat sich verdoppelt.

Die Angelegenheit hat Summa Summarum bis jetzt um die ca. 100.000 Euro verschlungen, entspricht zur Zeit ca. 100.000 gefüllten 10er-Eierkartons.

 

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Ganz zufälligerweise wird ein aktuelles, sehr bezeichnendes Beispiel am Rande eines Artikels aus Welt Online angerissen und bedarf zwingend dringend dieser einordnenden Erwähnung.

In der Kurzfassung:

Eine unsägliche Melange aus Politik und Interessenvertretern haben ein Gesetz verabschiedet, welches den Telefon-Service einer Arzt-Terminvergabe mittels eines uneffizienten, teuren und hoch-altmodischen Telefonanruf-Systems bei Terminservice-Stellen erzwingt.

Die Kassenärtztlichen Bundesvereinigung scheint diesen Service in keinster Weise zu lieben, und so ergibt sich dann schon fast logisch, dass „manche Landesorganisation der Ärzteschaft ihren Termindienst maximal kundenunfreundlich gestaltet“.[1]

Ähnliche Termindienste existieren auch nach Auskunft dieses Artikels auch schon in den USA, allerdings auf Internet-Basis, und damit wohl quasi vollautomatisch.

Jedem auch nur halbewegs IT-Begabten ist klar, dass genau solche Dinge schon quasi seit Beginn des Internets vor 20 Jahren, insbesondere also sicherlich seit 10 Jahren, absolut vollautomatisch abwickelbar sind.

Allerdings besteht daran offenbar keinerlei Interesse, und das ist sicherlich nicht der einzige Bereich in dem solche Dinge in dieser oder ähnlicher Form auftreten.

Es hätte ja so schön sein können.

 

Es empfiehlt sich für Interessierte, den Welt- Artikel zwecks Doku und vor wesentlichen Veränderungen local zu speichern.

 

 

Um nun aber nicht nur mit der destruktiven Sicht der Ding zu enden, ein vielleicht konstruktiver Ansatz noch zum Schluss:

Es bedürfte eigentlich nur eines einzigen Effizienzgesetzes, das die Einführung von Systemen und das Erlassen von Gesetzen durch die öffentliche Hand untersagt, bei denen durch Vergleichssysteme oder Expertenbefragung klar ist, dass wesentlich effizientere Möglichkeiten existieren.

Um hier lobby-aufgestellten Blockierern ihren Job nicht zu einfach zu machen, müßten dann Bedenkenträger namentlich mit dauerhaft hinterlegtem Einwand hinterlegt werden, so dass zumindest die Interessenslage eines verhindernden Einwandes nachvollziehbar wäre.

Aber daran wird es vermutlich von vielen Seiten nur wenig Interesse geben, auch wenn sich damit Abermilliarden sparen und sinnvoller einsetzen liessen.

 

 

 

 

 

 

[1] http://www.welt.de/wirtschaft/article151786247/So-wenig-bringen-die-neuen-Arzttermin-Hotlines.html

Stichprobe P02 in die reale Jobwelt: Komfortjob

So mancher träumt nicht nur davon, an seiner Arbeitsstelle auch hin und wieder etwas Freizeit einbauen zu können.

Es gibt sie tatsächlich, die Glücklichen die dies schon auf die eine oder andere Art geschafft haben oder zugestanden bekommen.

Ein schönes Beispiel mit unerwarteten Folgen findet sich bei einem Arbeitstätigen aus der Sicherheitsbranche, dem unter anderem wohl das Zu Viel an Freizeit die Motivation zu einem Jobwechsel gab, so er sagte:

„Wenn ich jetzt noch Polizeibeamter wäre, würde ich mit Sicherheit irgendwo in einem warmen Büro sitzen, die Füße hochlegen und zu gegebener Zeit ein Weißbier aufmachen    „….
„es ist nur die Frage ob man so ein Berufsleben will. Ich wollte das schon damals nicht. Das hat mich nicht befriedigt.“[1]
Der Mann hat dann ein Bordell in Bayern aufgemacht.

Der Tausch eines berufssicheren Berufes mit hoher Absicherung – eben als Beamter – gegen einen Beruf mit nicht nur möglicherweise finanziellen, sondern auch gesundheitlich wesentlich höheren Risiken nötigt die Deutung bezüglich eines Aspektes ab, indem es auf schön kontrastierende Weise eine Abwägung einfordert:
* Ist das Aufgeben eines Jobs, der monetär unter Einrechnung der geldwerten Aspekte des sicheren Beamtenlebens zuzüglich der nicht wirklich mit akuter Arbeit verbrachter Arbeitszeit sehr gut ausgestattet ist ( und damit der Verzicht von erheblichen Zuwendungen seitens des Staates ) moralisch höher zu werten als die Annahme eines Jobs, der aus vielerlei Hinsicht von vielen als unmoralisch betrachtet wird, anders herum aber auch vielen ein erleichtertes Leben verschafft?

[1]
http://www.welt.de/vermischtes/article148121306/Wie-der-Kriminalpolizist-zum-Bordell-Chef-wurde.html

Zukunft der Arbeit: Prof.David Spencer fordert Drei-Tage-Woche

Zukunft der Arbeit: Prof.David Spencer fordert Drei-Tage-Woche

Trotz Automatisierung in vielen Bereichen arbeiten die Menschen zu viel, die Arbeit sollte auf
eine Drei-Tage-Woche reduziert werden unter anderem auch, um die negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu reduzieren:
http://www.n24.de/n24/Wissen/Job-Karriere/d/7237004/wirtschaftsforscher-fordert-vier-tage-wochenende.html

Dies würde allerdings bedeuten, dass unnütze Arbeit nicht forciert werden dürfte, es darf quasi den Heizer auf der E-Lok nicht mehr geben.
Sicherlich wünscht sich das kaum ein Politiker, der das undifferenzierte Mantra des „Arbeit ist wichtig“
(„Arbeit über alles“ wäre hier vielleicht etwas deplaziert) mitsingt.

Bahnstreik und Automation – ein teuer verpasster Wendepunkt?

Streik und Automation – ein teuer verpasster Wendepunkt?

Nach Einschätzungen des DIW Berlin betragen die durch erliegenden Bahnverkehr verursachten Kosten ab dem dritten Tag 2008 ca. 70mio Euro täglich[1], aktuell (2015) belaufen sich die täglich anzusetzenden Schäden schätzungsweise auf mind. ca. €100mio. In der Summe könnten sich die Schäden des aktuellen Eisenbahner-Streiks, wenn er schon nach sechs Tagen enden würde, insbesondere für die Industrie auf über €500mio beziffern [2].

In einem Welt-Online-Artikel anläßlich des Bahnstreiks letzten Jahres wurden die Aussagen von Siemens und Bombardier erwähnt, nach denen Bahnautomatisierung im Sinne von Verzichtbarkeit des Lokomotivführers technisch kein Problem mehr darstellt (Der Artikel wurde leider entfernt, vermutlich wegen der politischen Brisanz). Das Beibehalten eines Lokführers wurde mit Akzeptanzproblemen von führerlosen Zügen beim Publikum begründet.

Wie in einem vorhergehenden Artikel dieser Serie erwähnt, ist die U-Bahn-Automatisierung allein schon durch den jahrzentelangen fahrerlosen Betrieb der U-Bahn Lille in Frankreich als praxistauglich anzusehen.

Für 2020 hat Daimler-Chefentwickler das autonome Fahren für PKW angekündigt [4], eine sicherlich technisch anspruchsvollere Aufgabe als das autonome Fahren für schienengebundene Fahrzeuge.

Warum also bei den so entstehenden Schäden eine Automation nicht wesentlich verstärkt vorangetrieben wird, ist wohl nur noch politisch zu erklären, z.B. allein durch die im wesentlichen wegfallenden Anzahl von aktuell ca. 14000 Schienenfahrzeugführern [5].
Es drängt sich in dem Zusammenhang die sprichwörtliche Parallele des Heizers auf der E-Lok auf. Hier wurden in England durch Gewerkschaften bei verstärkter Umsetzung von Dampf- auf Elektrobetrieb Heizer-Stellen auf Elektro-Lokomotiven durchgesetzt. Diese Heizer hatten natürlich keine ernsthafte Beschäftigung auf der E-Lok, allerdings waren die durch diese Absurdität verursachten Schäden völlig vernachlässigbar im Vergleich zu dem aktuell vorliegenden Fall, der auch nicht einer gewissen, jedoch anders gearteten Absurdität entbehrt.

Akzeptanzprobleme der Fahrgäste für führerlose Züge dürften sich angesichts der Streikwellen des letzten und dieses Jahres und den damit verbundenen erheblichsten Ärgernissen und Einschränkungen langsam in Luft auflösen.

Der aktuelle Bahnstreik ist ebenso wie der Bahnstreik im Herbst vergangenen Jahres geprägt von der intergewerkschaftlichen Auseinandersetzung über die Zuständigkeit für die betroffene Gruppe der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft der Lokführer sieht in Konkurrenz zur EVG für sich auch ein weiter durchzusetzendes Vertretungsrecht für das gesamte Zugpersonal, nicht nur für die Lokführer[3].

 

[1] http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.451592.de
[2] http://www.welt.de/wirtschaft/article140493233/Wie-teuer-der-Streik-der-Lokfuehrer-wirklich-wird.html
[3] http://www.focus.de/finanzen/news/bahnstreik-gdl-beendet-arbeitskampf-der-laengste-bahn-streik-der-geschichte-ist-zu-ende_id_4260517.html
[4] http://www.welt.de/wirtschaft/article137958214/Schon-in-fuenf-Jahren-gibt-es-das-fahrerlose-Auto.html
[5] http://www.allianz-pro-schiene.de/eisenbahner-mit-herz/daten-und-fakten-eisenbahner-mit-herz.pdf

 

JEL-Kategorie

J30;J31;J38;J51;J58

Automatisierung für Alle(s)

Automatisierung für Alle(s):

Auch die Automatisierung geistiger Arbeit soll nun in verstärktem Masse in Angriff genommen werden, um nicht zu sagen, dass dieser Prozess schon stark zugange wäre, befindet mit dieser Kernaussage Redakteur Ulrich Clauß von der Welt [1].

Nur Personaler, Personalvermittler und Mediziner würden davon ausgenommen bleiben.

Hierbei scheint ihm entgangen zu sein, dass schon 1972 ein Expertensystem namens Mycin fertiggestellt wurde, das zur korrekten Einsetzbarkeit von Antibiotika eingesetzt wird.

Dieses Expertensystem scheint allerdings bei den Ärzten leider keine Akzeptanz zu besitzen, setzt es doch wohl quasi kein Arzt ein, obwohl es dann sicherlich viele Leben retten könnte.

Ein ähnliches „Akzeptanzproblem“ wurde unlängst bei den Führerständen von Lokomitiven im Eisenbahnverkehr konstatiert. Diese Führerstände sind nach weitgehend einhelliger Meinung schon lange automatisierbar, und in Lille in Frankreich läuft schon Jahrzehnte eine U-Bahn ohne Fahrer.

Auch für andere Bereiche ließe sich aufführen, dass hier bei weitem völlig andere Automatisierungsgrade machbar wären.

Es handelt sich also offensichtlich nicht wirklich um ein euphemistisch als solches deklariertes Akzeptanzproblem, sonder viel eher um ein Verhinderungsproblem, das ggf. noch im Detail zu analysieren sein wird.

[1] http://www.welt.de/debatte/kommentare/article140410380/Nun-wird-die-gedankliche-Arbeit-mechanisiert.html

AA Statistik-Einblick 2015-05-01

AA Statistik aktuell 2015-05-01

Bewerberprofile: 3.044.175

Inserierte Stellen: 903.806

Ausbildungsstellen: 253.460


Aufschlüsselung nach Bereich, beginnend mit der größten Angebotsanzahl:

Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau: 134060 Stellenangebote

Hilfstätigkeiten rd. 76100 Stellenangebote

Büro, Wirtschaft, Verwaltung rd. 72.000 Stellenangebote

Gesundheit, Medizin, Pflege, Sport rd. 71.700 Stellenangebote

Bau, Architektur, Vermessung rd. 68.600 Stellenangebote

weit abgeschlagen aus der sog. hoch-unterbelegten Fachkräfte-Branche:

IT, DV, Computer, Mathematik: rd. 27.900 Stellenangebote

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Man beachte, dass mit Stellenangeboten explizit gemeint ist, dass diese inseriert sind und NICHT, dass diese tatsächlich zur Verfügung stehen.

Wertvolle Details zur Verwertbarkeit solcher Zahlen finden sich in

https://jobzin.wordpress.com/2015/05/01/die-bewertung-von-stellenangebots-statistiken

Arbeitsmarkt-Politik: IW-Chef Hüther fordert mehr Flüchtlinge für deutschen Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt-Politik 2015/4:

IW-Chef Hüther fordert mehr Flüchtlinge für deutschen Arbeitsmarkt

Insbesondere wird beklagt, dass Arbeitskräfte-Wanderung zur Zeit wesentlich nur innereuropäisch erfolgt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article140115933/IW-fordert-mehr-Fluechtlinge-fuer-deutschen-Arbeitsmarkt.html