Bahnstreik und Automation – ein teuer verpasster Wendepunkt?

Streik und Automation – ein teuer verpasster Wendepunkt?

Nach Einschätzungen des DIW Berlin betragen die durch erliegenden Bahnverkehr verursachten Kosten ab dem dritten Tag 2008 ca. 70mio Euro täglich[1], aktuell (2015) belaufen sich die täglich anzusetzenden Schäden schätzungsweise auf mind. ca. €100mio. In der Summe könnten sich die Schäden des aktuellen Eisenbahner-Streiks, wenn er schon nach sechs Tagen enden würde, insbesondere für die Industrie auf über €500mio beziffern [2].

In einem Welt-Online-Artikel anläßlich des Bahnstreiks letzten Jahres wurden die Aussagen von Siemens und Bombardier erwähnt, nach denen Bahnautomatisierung im Sinne von Verzichtbarkeit des Lokomotivführers technisch kein Problem mehr darstellt (Der Artikel wurde leider entfernt, vermutlich wegen der politischen Brisanz). Das Beibehalten eines Lokführers wurde mit Akzeptanzproblemen von führerlosen Zügen beim Publikum begründet.

Wie in einem vorhergehenden Artikel dieser Serie erwähnt, ist die U-Bahn-Automatisierung allein schon durch den jahrzentelangen fahrerlosen Betrieb der U-Bahn Lille in Frankreich als praxistauglich anzusehen.

Für 2020 hat Daimler-Chefentwickler das autonome Fahren für PKW angekündigt [4], eine sicherlich technisch anspruchsvollere Aufgabe als das autonome Fahren für schienengebundene Fahrzeuge.

Warum also bei den so entstehenden Schäden eine Automation nicht wesentlich verstärkt vorangetrieben wird, ist wohl nur noch politisch zu erklären, z.B. allein durch die im wesentlichen wegfallenden Anzahl von aktuell ca. 14000 Schienenfahrzeugführern [5].
Es drängt sich in dem Zusammenhang die sprichwörtliche Parallele des Heizers auf der E-Lok auf. Hier wurden in England durch Gewerkschaften bei verstärkter Umsetzung von Dampf- auf Elektrobetrieb Heizer-Stellen auf Elektro-Lokomotiven durchgesetzt. Diese Heizer hatten natürlich keine ernsthafte Beschäftigung auf der E-Lok, allerdings waren die durch diese Absurdität verursachten Schäden völlig vernachlässigbar im Vergleich zu dem aktuell vorliegenden Fall, der auch nicht einer gewissen, jedoch anders gearteten Absurdität entbehrt.

Akzeptanzprobleme der Fahrgäste für führerlose Züge dürften sich angesichts der Streikwellen des letzten und dieses Jahres und den damit verbundenen erheblichsten Ärgernissen und Einschränkungen langsam in Luft auflösen.

Der aktuelle Bahnstreik ist ebenso wie der Bahnstreik im Herbst vergangenen Jahres geprägt von der intergewerkschaftlichen Auseinandersetzung über die Zuständigkeit für die betroffene Gruppe der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft der Lokführer sieht in Konkurrenz zur EVG für sich auch ein weiter durchzusetzendes Vertretungsrecht für das gesamte Zugpersonal, nicht nur für die Lokführer[3].

 

[1] http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.451592.de
[2] http://www.welt.de/wirtschaft/article140493233/Wie-teuer-der-Streik-der-Lokfuehrer-wirklich-wird.html
[3] http://www.focus.de/finanzen/news/bahnstreik-gdl-beendet-arbeitskampf-der-laengste-bahn-streik-der-geschichte-ist-zu-ende_id_4260517.html
[4] http://www.welt.de/wirtschaft/article137958214/Schon-in-fuenf-Jahren-gibt-es-das-fahrerlose-Auto.html
[5] http://www.allianz-pro-schiene.de/eisenbahner-mit-herz/daten-und-fakten-eisenbahner-mit-herz.pdf

 

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